Professor Dr. Reinhard Matissek wird 65 Jahre

Am 13. Mai 2017 feiert Herr Professor Dr. habil. Dipl.-Ing. Reinhard Matissek, Direktor des Lebensmittelchemischen Instituts (LCI) des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) in Köln seinen 65. Geburtstag.

Begonnen hat die Karriere von Herrn Prof. Matissek nach seiner Schulzeit in Bremen bei dem Handelslaboratorium Dr. Hofmann, wo er eine Ausbildung zum Chemielaboranten absolvierte und damit erste wissenschaftliche Kontakte zu Lebensmitteln hatte. Folgerichtig begann er ein Studium an der damaligen Technischen Fachhochschule Berlin (TFH Berlin), der heutigen Beuth-Hochschule, in der Fachrichtung Lebensmitteltechnologie, um dann in die Lebensmittelchemie an der Technischen Universität Berlin (TUB) zu Herrn Prof. Dr. Werner Baltes zu wechseln. Nach Abschluss seines Studiums war Prof. Matissek zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter am damaligen Bundesgesundheitsamt (BGA, Berlin) tätig, um 1981 wiederum als Hochschulassistent an die TUB zurückzukehren. In Kooperation zwischen dem BGA und der TUB promovierte er zunächst und habilitierte sich anschließend bei Prof. Baltes für das Fachgebiet „Lebensmittelchemie“. In dieser Zeit an der TUB etablierte er eine neue Vorlesungsreihe mit dem Titel „Chemie, Technologie und Toxikologie der Bedarfsgegenstände und kosmetischen Mittel“ ein Fachgebiet, das lange Zeit im Schatten der klassischen Lebensmittelchemie stand. Seit 1990 ist Herr Prof. Dr. Matissek ferner apl. Professor am Institut für Lebensmitteltechnologie und Lebensmittelchemie der Fakultät III für Prozesswissenschaften der TUB.

Im Jahre 1988 übernahm Herr Professor Matissek von Prof. Dr. Albrecht Fincke die Leitung des renommierten LCI, als zentrales naturwissenschaftliches Servicecenter des BDSI. Damit begann für Herrn Matissek eine intensive Phase der Anpassung an neue Herausforderungen. Zum einen die Weiterführung der klassischen lebensmittelchemischen Fragestellungen zur Lebensmittelqualität für das Gebiet der Kakaoerzeugnisse, Feinen Backwaren, Knabberartikeln und weiteren Süßwaren (wie Fett- und Zuckeranalytik, Kakaobutterreinheit, Kakaobestandteile) bei gleichzeitig stetiger Fortentwicklung analytischer Verfahren und Messmethoden. Andererseits standen neue Herausforderungen, die sich aus den gestiegenen Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit ergaben - wobei hier insbesondere Kontaminanten und Prozesskontaminanten zu nennen sind - im Fokus. Als ein herausragendes Beispiel seiner großartigen wissenschaftlichen und praxisorientierten Leistungen sei die äußerst erfolgreiche Implementierung eines Minimierungskonzeptes von Acrylamid in die Lebensmittelproduktion zu nennen, das von Prof. Matissek und seinem LCI-Team entwickelt und umgesetzt wurde. Ein weiterer Meilenstein seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist das im Jahre 2016 erfolgreich abgeschlossenen BDSI-Projekt zur Minimierung von mineralischen Kohlenwasserstoffen (engl. Mineral Oil Saturated Hydrocarbons/Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons, kurz: MOSH/MOAH) in Lebensmitteln. Unter Leitung des bei der Thematik MOSH/MOAH international ausgewiesenen Experten Herrn Prof. Matissek wurden in über drei Jahren grundlegender und einzigartiger Forschung die Eintragswege von MOSH/MOAH aufgedeckt und diese Erkenntnisse in eine MOSH/MOAH-Toolbox umgesetzt. Diese Toolbox soll es Lebensmittelherstellern ermöglichen, die Optimierungen entlang der gesamten Rohstoff- und Prozesskette proaktiv voranzutreiben und ist nun grundlegender Baustein einer generalisierten BLL-Toolbox für die gesamte Lebensmittelwirtschaft.

Neben diesen herausragenden Leistungen war es Prof. Matissek stets ein Anliegen, die Verbindung zwischen industrieller Praxis und universitärer Ausbildung herzustellen. Hierzu liefert seine vielbeachtete Vorlesungsreihe an der TUB zu Fragen der Qualitätssicherung und deren Organisation bei der Herstellung von Lebensmitteln, die der Jubilar nun schon seit über zwei Dekaden hält, einen wesentlichen Beitrag. Sein Engagement für die studentische Ausbildung schlägt sich auch darin nieder, dass an seinem Institut erfolgreich eine große Zahl von Bachelor,- Master- und Promotionsarbeiten in Kooperation mit der TUB und anderen Universitäten durchgeführt wurden. Die breitgefächerten Erkenntnisse wurden auf einer Vielzahl von wissenschaftlichen Veranstaltungen im Inland und Ausland vorgetragen und fanden in über 200 Publikationen ihren Niederschlag. Ein besonderes Augenmerk gilt Herrn Prof. Matissek als Herausgeber des wissenschaftlichen Pressedienstes „Moderne Ernährung heute“, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Erscheinungsjubiläum feiern kann. Seit 1992 werden in dieser Schriftenreihe aktuelle Fragestellungen zur Ernährungsforschung fachübergreifend abgehandelt. Darüber hinaus sind die Weiterführung bzw. Herausgabe der von großem Bekanntheitsgrad gekennzeichneten beiden Lehrbücher für Lebensmittelchemie und Lebensmittelanalytik beim Springer-Verlag durch Herrn Prof. Matissek anerkennend zu erwähnen.

Die Erfolgsgeschichte von Prof. Matissek ist ferner gekennzeichnet durch die jahrzehntelange, konstruktive und sehr geschätzte Mitarbeit in den verschiedensten nationalen und internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften, Arbeitsgruppen und Kommissionen. Nicht zuletzt erwähnt werden soll an dieser Stelle seine erfolgreiche Mitarbeit in mehr als 30 Projektbegleitenden Ausschüssen des Forschungskreis der Ernährungsindustrie (FEI, Bonn) sowie als Projektleiter in mehr als 20 Forschungsprojekten der Stiftung der Deutschen Kakao- und Schokoladenwirtschaft, Hamburg. Verdienste erwarb sich der Jubilar insbesondere um die Lebensmittelchemische Gesellschaft (LChG) – Fachgruppe der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) – deren Vorstandsmitglied er von 1990 bis 2004 war. So initiierte er auch die Gründung und Etablierung verschiedener Arbeitsgruppen in der LChG.

Prof. Matissek engagiert sich ferner aktiv als Vorsitzender des Gutachterkomitees der Stiftung des Bruno-Roßmann-Preises, der im letzten Jahr zum 25. Mal verliehen wurde, für die Würdigung herausragender wissenschaftliche Leistungen von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Analytik von Lebensmittelinhaltstoffen. In Würdigung seiner umfangreichen wissenschaftlichen Verdienste erhielt Prof. Matissek 2003 den renommierten Hans F. Dresel Memorial Awards der PMCA (International Association of Confectioners, Hershey Pennsylvania/USA). 2005 zeichnete der BDSI den Jubilar mit dem FINCKE-Preis für Wissenschaft und Technik aus. Weiterhin wurde ihm 2007 der Kooperationspreis der Agrar- und Ernährungswirtschaft verliehen.

Wir wünschen Herrn Prof. Matissek weiterhin gute Gesundheit, Glück und die gleiche eindrucksvolle Freude und Schaffenskraft für seine wissenschaftlichen Arbeiten wie bisher!


Dr. Marion Raters, Köln